Doppelausstellung Charles Ray in Paris

Mehrfachausstellungen sind dieses Jahr in den Pariser Museen offensichtlich sehr in Mode.
Nachdem eine Ausstellung anlässlich des 60en Jahrestages der ersten Modenschau von Yves Saint Laurent gleichzeitig auf sechs Museen verteilt eröffnete, begann am 16. Februar 2022 eine Doppelausstellung Charles Ray die zu einer Hälfte im Centre Georges Pompidou und in der anderen Hälfte in der Bourse de Commerce – Pinault collection verteilt ist.
Die beiden Museen, die nur ein paar Gehminuten voneinander entfernt sind, zeigen insgesamt 34 Werke des Künstlers, der als einer der größten lebenden Bildhauer in den USA gilt.
Wie Jeff Koons und Katharina Fritsch arbeitet Ray an einer neuen plastischen Figuration.

Charles Ray in der Bourse de Commerce


Auf dem Platz vor der Bourse de Commerce, dem neuen, im Jahr 2021 eröffneten, Pariser Museum des Multimilliardärs und Kunstsammlers Francois Pinault, ist bereits das erste Werk des amerikanischen Künstlers zu sehen.
Die Skulptur „Horse Rider“ aus dem Jahr 2014 ist ein Selbstporträt des Künstlers als Antiheld.
Die 2,78 Meter lange und 2,69 Meter hohe Skulptur aus Edelstahl ist an Reiterstatuen der Renaissance, wie sie zu dutzenden in Städten wie Paris zu finden sind, angelehnt.
Anders als bei den klassischen Vorbildern wirkt der Reiter nicht heroisch und selbstsicher, sondern eher hilflos.

Ich bin kein Reiter, und das Pferd weiß das. Ich habe versucht, meine Nervosität und die des Pferdes zu modellieren.

Charles Ray

Im Inneren des Museums, das vorwiegend der modernen Kunst in einem historischen Gebäude gewidmet ist, sind weitere vier Werke, aus der Sammlung von François Pinault sowie zahlreiche Leihgaben zu sehen.
Darunter, „The new beetle“ (2006), „Boy with frog“ (2009),

In der Mitte des Museums im Beton-Zylinder steht die Skulptur „Unbaled truck“ (aus dem Jahr 2021).
Ein Lastwagen, den Charles Ray in tausend Teilen auf einem Schrottplatz gefunden hat, eine in sich zusammengestauchte Form. Diese Ruine hat der Künstler über mehrere Jahre hinweg geduldig wieder zusammengesetzt, in Form gebracht und „re-informiert“.
Das Werk kann als Metapher für die Kunstdisziplin selbst interpretiert werden: Besteht die Bildhauerei nicht in der langsamen, zerstückelten Neuzusammensetzung der Realität?

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Fotos von der Ausstellung Charles Ray in der Bourse de Commerce

Charles Ray im Centre Pompidou

Die Ausstellung im Centre Pompidou wurde im Dialog mit Charles Ray konzipiert und bietet anhand einer Reihe von Werken, die seine Schaffensweise repräsentieren, einen Spaziergang, den man sowohl mit dem Körper als auch mit dem Geist bewohnen kann.

Eine Skulptur ist potenziell ein Versuch, der in vier Dimensionen unserer gelebten Welt geschrieben ist, den drei Dimensionen des Raums und der Dimension der Zeit.

Charles Ray

Auf die Frage „Was ist eine Skulptur?“ bietet Charles Ray eine breite Palette an
Antworten an, die mit dem tiefen Wissen über seine Kunst verbunden sind, von den archaischen griechischen Statuen bis hin zu den Erfindungen einiger seiner Zeitgenossen.

„Fall ‘91“ eine Skulptur, die eine 2,44 Meter hohe Schaufensterpuppe darstellt aus dem Jahr 1992 zu sehen. Fall ’91 zeigt eine Frau, die in der üblichen Kontrapost-Pose mit ihrem Gewicht hauptsächlich auf einem Fuß steht.
Viele von Charles Rays bekanntesten Werken sind Nachbildungen von Gegenständen und Personen aus der realen Welt. Kleine, aber signifikante Veränderungen vertrauter Situationen verleihen Rays Praxis eine beunruhigende Spannung.

Das auf der Terrasse auf Ebene 6 präsentierte Werk „Huck and Jim“ wurde ursprünglich als Brunnen der neuen Gebäude des Whitney Museums in New York entworfen.
Voller Ernsthaftigkeit und Vorahnung interpretiert „Huck und Jim“ (2014) einen Moment in Mark Twains „Abenteuer von Huckleberry Finn“, in dem die Hauptfiguren auf einem Floß den Mississippi hinunterfahren und über die Herkunft der Sterne diskutieren. Die Figuren sind etwa zweimal lebensgroß und werden in einem Zustand akuter Vertiefung gezeigt. Der jugendliche und neugierige Huck beugt sich vor, um einen unsichtbaren Gegenstand vom Boden aufzuheben. Selbstbeherrscht starrt Jim in die Ferne, während seine Hand über Hucks Rücken schwebt. Twains Figuren sind in diesem Roman oft unbekleidet. Ray, der sich seit den 1980er Jahren mit der nackten Figur beschäftigt, fand, dass die Nacktheit auch zu der Skulptur passt.
Was im Buch Freiheit und Homosozialität signalisiert, führt in der Skulptur die beunruhigende Möglichkeit eines generationenübergreifenden Begehrens ein, was Ray als „vielschichtige Dynamik“ bezeichnet hat.

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Fotos von der Sonderausstellung Charles Ray im Centre Popidou

Ausstellung Charles Ray

Vom 16. Februar 2022 bis 6. Juni 2022 in der Bourse de Commerce
Im Centre Pompidou vom 16. Februar 2022 bis 20. Juni 2022

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